Fundstück aktuell

Gerade habe ich in Buluts Koffer in einem Geheimfach diesen gefälschten 
Pass entdeckt. Ich bin nachdenklich...

Bulut – Die Wolke vom Bosporus

Niemand weiß genau, wann Bulut geboren wurde. Manche behaupten, er sei direkt aus einer Nebelbank über dem Bosporus gefallen. 
Andere meinen, er habe sich eines Morgens einfach zwischen Sardinenkisten und alten Fischernetzen materialisiert – 
geschniegelt wie ein Hafenarbeiter nach der Nachtschicht und mit dem Blick eines Katers, der bereits alles gesehen hat. 
Fest steht nur: Bulut war in Istanbul eine kleine Berühmtheit. 

Während andere Katzen den Fischern bloß die Auslage plünderten, entwickelte Bulut eine beinahe handwerkliche Beziehung zum Hafenbetrieb. Früh am Morgen saß er auf den Kaimauern, beobachtete die Männer beim Einholen der Netze und begann irgendwann damit, spielerisch die Knoten zu lösen. Anfangs hielt man ihn für verrückt. Doch nachdem mehrere Fischer feststellten, dass ihre Netze plötzlich schneller entwirrt waren, wurde Bulut zunehmend geduldet, später respektiert und schließlich fast offiziell in die Hafenarbeit aufgenommen.  „Der Kater arbeitet sauber“, soll ein alter Fischer gesagt haben. 

Bulut wiederum nahm seine Aufgabe ernst. Er kontrollierte die Fischqualität, inspizierte Boote, legte Pausen fest und bestand auf regelmäßige Fischkopfzulagen. Sein Körperbau entwickelte sich entsprechend großzügig. Nicht umsonst bedeutet sein Name übersetzt: „die Wolke“. 

Und tatsächlich bewegte er sich wie eine solche – langsam, schwerelos und mit einer gewissen naturgegebenen Selbstverständlichkeit. Wenn Bulut irgendwo lag, wirkte es nie so, als hätte er sich hingelegt. Eher so, als sei er atmosphärisch dort entstanden. 
Wie genau er schließlich nach Deutschland kam, bleibt bis heute unklar.

 Wahrscheinlich geriet er  vor der Corona-Zeit in das Reisegepäck übermotivierter Touristen, die glaubten, ein exotischer Straßenkater sei eine hervorragende Idee für ihr Reihenhausleben. Vermutlich dauerte es keine zwei Wochen, bis Bulut das Kommando übernommen hatte, sämtliche Vorräte kontrollierte und die Familie psychologisch so unter Druck setzte, dass man ihn schließlich schweren Herzens weitervermittelte. 
Auf rätselhaften Wegen landete Bulut schließlich bei uns. Hier traf er auf Hund Siggi und die vier Hennys, die ihrerseits sofort begriffen, dass mit diesem Kater nicht zu spaßen war. Bulut bezog sein neues Revier mit der Selbstverständlichkeit eines pensionierten Kapitäns, der nun eine kleine Residenz auf dem Land übernommen hat. 

Tagsüber lebt er heute überwiegend im Chill-out-Modus. Er meditiert. 
Zumindest sieht es so aus. Tatsächlich liegt er stundenlang auf Kissen, Decken oder strategisch günstigen Sonnenflächen und strahlt eine Ruhe aus, die buddhistische Mönche wahrscheinlich erst nach dreißig Jahren Kloster erreichen. Nachts allerdings beginnt seine „Nachtschicht“. Dann verschwindet Bulut lautlos in die Dunkelheit. Niemand weiß genau, was er dort treibt. Man munkelt von Grenzkontrollen an Gartenzäunen, geheimen Treffen mit anderen Katern und diplomatischen Missionen in Nachbarrevieren. 
Morgens kehrt er meist mit dem Gesichtsausdruck eines Wesens zurück, der wieder einmal allein die Weltordnung stabilisiert hat. 

Leider fraß er irgendwann eine kontaminierte Maus und ruinierte sich dabei die Zähne. Die mussten später entfernt werden.
 Seitdem sieht Bulut manchmal aus wie ein pensionierter Hafenarbeiter, der zu viele Geschichten kennt und zu wenige Zähne besitzt, um sie noch vollständig auszusprechen. Das hat seiner Würde allerdings keinen Abbruch getan. Im Gegenteil. 

Heute ist Bulut eine Art philosophischer Großkater geworden. Er klettert noch immer auf Bäume, spielt überraschend wild mit Schnüren und Kartons und genießt vor allem seine täglichen osteopathischen Wohlfühlbehandlungen bei Pedro.
Dort wird gekrault, mobilisiert, entspannt und vermutlich auch weltpolitisch beraten. 

Bulut nimmt diese Anwendungen mit stoischer Ruhe entgegen. Wahrscheinlich denkt er dabei an den Bosporus, an alte Fischerboote und an die Zeit zurück, als er noch höchstpersönlich Netzknoten entwirrte. 

Und wenn er dann später zusammengerollt auf seinem Meditationskissen liegt, halb Wolke, halb Hafenlegende, dann wirkt es manchmal, als hätte Bulut das Geheimnis des Lebens längst verstanden:

 "Locker hängen lassen"




       Foto: "Werkzeugkiste " -
              Sammelsurium in Besitz  -2022 -  
   bearbeitet -

Im Stauraum

Hier versammeln sich teils merkwürdige und skurille Stücke, die zu schade zum Wegwerfen sind und die man 
vielleicht später noch mal gebrauchen kann.

"Nächtlicher Begleiter und Späher"

Kunsthandwerkliche Arbeit  - im Garten  - gefertigt von Michael Rosenthal  -
bearbeitet - 2016-

"Little Buddah"

Tonarbeit in Besitz  (unbekannter Künstler)
- bearbeitet -

Liquor-System "panta rhei - Alles fließt " -
aus  Websachen - 2018

 


Objektarbeit "Späher" -  2019 -
Gemeinschaftarbeit mit meinem Sohn Melvin

Objektarbeit mit Miniatur : 
"Mensch gefangen im Müll"  - 2018 -

...unbedingt weiter bearbeiten !!!