- Vorbemerkung
Dieser Raum berührt ein Themenfeld, das in seiner Tiefe und Vielschichtigkeit nicht unmittelbar zugänglich ist. Es verlangt stellenweise die Bereitschaft, sich auf komplexere Zusammenhänge einzulassen und wird vielleicht nicht jeden Leser gleichermaßen ansprechen. Und dennoch gehört es für mich zu den wesentlichen Fragmenten meines eigenen Weges.
Die Auseinandersetzung mit Embryologie, mit Fragen von Formwerdung, Raum und innerer Organisation hat mein Denken und meine Arbeit über viele Jahre geprägt. Spuren, die sich nicht immer direkt erklären lassen, die aber immer wieder wirksam werden.
Ich habe mich entschieden, diesen Teil hier zu teilen, nicht weil er vollständig wäre, sondern weil er wesentlich ist.
Vielleicht liegt der eigentliche Wert dieses Kapitels weniger in dem, was hier abschließend dargestellt wird, sondern in dem, was es anstoßen kann: ein Weitergehen, ein eigenes Nachforschen, das Aufschlagen eines Buches oder das Betrachten von Darstellungen, die diese Prozesse noch klarer und oft auch eindrücklicher sichtbar machen. Denn vieles von dem, worum es hier geht, erschließt sich erst im Sehen, im wiederholten Annähern und im eigenen Erleben.
So versteht sich dieser Text vielleicht am ehesten als Einladung.
Nicht als Abschluss, sondern als Anfang.
Und aus meiner Begeisterung für "spielerische Dinge" füge ich persönliche Artefakte hinzu die mir auch dazu in den Sinn kamen.
Heute weiß ich das vieles mit einem Spiel anfängt und uns dann erfolgreich weiter trägt.
0ben + Unten: digitale Spielereien zur "Exo-Soziologie" und Embryologie - 2026 -
Embryologie und Tensegrity:
Verbindungen zwischen Wissenschaft und Kunst verstehen
back to the roots und eine unerwartete Begegnung.
Es begann nicht im Hörsaal. Sondern in einer Bewegung.
Ich hatte die Gelegenheit, einen Kung-Fu-Meister zu beobachten, dessen Praxis weit über das rein Körperliche hinausging. Was sich zunächst wie ein Training darstellte, entfaltete sich als ein stilles Studium von Raum, Kraft und innerer Haltung.
Zug und Druck, Spannung und Lösung, Bewegung und Sammlung standen nicht im Gegensatz, sondern bildeten ein Gefüge. Eine Ordnung, die sich nicht aufdrängte, sondern sich zeigte.
In diesen Bewegungen lag etwas Vertrautes.
Nicht als Erinnerung, sondern als Ahnung.
Später, nach einem Besuch in den sonst verschlossenen Hallen von Professor Erich Blechschmidt, (link) wurde diese Ahnung deutlicher.
Die großformatigen Darstellungen embryonaler Entwicklung, die er geschaffen hat, zeigen den werdenden Menschen nicht als mechanisch zusammengesetztes System, sondern als ein Geschehen im Raum.
Als ein Prozess, der von Kräften durchzogen ist.
Blechschmidt beschrieb diese Kräfte als Felder.
Korrosionsfelder, Verdichtungsfelder, Spannungsrichtungen etc.
Druck und Zug als gestaltende Prinzipien. Hier beginnt für mich eine Brücke.
In der klassischen Betrachtung sprechen wir zunächst vom Ektoderm und Endoderm, von außen und innen. Und dann, fast unscheinbar und doch von grundlegender Bedeutung, tritt etwas Drittes hinzu: das Mesoderm. Es ist jene mittlere Schicht, aus der sich Bindegewebe, Knochen, Faszien und große Teile unseres Bewegungssystems entwickeln. Es ist das Gewebe, das verbindet, trägt und vermittelt. Das Mesoderm erscheint nicht einfach. Es entsteht im Prozess.
Im Raum. Unter Einfluss von Kräften.
Diese Perspektive hat mein Verständnis von Embryologie nachhaltig verändert. Sie verschiebt den Blick von einer rein genetischen Determination hin zu einem Zusammenspiel von innerem Bauplan und äußerem Einfluss. Die Epigenese tritt neben die genetische Kodierung. Entwicklung wird zu einem Dialog. Dieser Dialog setzt sich fort. Im autonomen Nervensystem. In der Wechselwirkung zwischen Organen und zentralem Nervensystem.
In dem, was wir als Psyche erleben.
Das Interesse der Osteopathie an solchen Systemzusammenhängen ist daher kein Zufall. Es ist eine konsequente Weiterführung dieser frühen Dynamiken.
In meiner eigenen Lehrtätigkeit durfte ich dabei von Begegnungen profitieren, die mich tief geprägt haben. Besonders hervorheben möchte ich Wolfgang Rohen, dessen Lehrbuch zur Embryologie und funktionellen Anatomie Generationen von Medizinern begleitet hat. In seinen späteren Arbeiten zur "Morphologie des Organismus" öffnet sich noch einmal ein außergewöhnlich weiter Raum für das Verständnis von Form, Funktion und Entwicklung.
Ebenso prägend waren für mich die Arbeiten von Jaap van der Wal, der einen konsequent systemischen nund ungemein anschaulichen Blick auf die Embryologie entwickelt hat (siehe link).
Wenn man diesen Gedanken weiterführt, dann gewinnt der Raum selbst eine neue Bedeutung. Nicht nur als Umgebung, sondern als aktiver Mitgestalter. Lebensräume prägen Entwicklung. Das gilt im Embryo ebenso wie im späteren Leben. Der Mensch steht nicht isoliert, sondern immer in Beziehung.
Vielleicht war es genau das, was ich im Kung-Fu gesehen habe.
Eine Bewegung, die nicht nur aus dem Körper kommt, sondern aus der Beziehung zum Raum. Eine Form von Spannung, die trägt, ohne zu verhärten.
Eine Struktur, die sich hält, weil ihre Kräfte im Gleichgewicht sind.
Hier berührt sich die Embryologie mit dem Konzept der Tensegrity.
Strukturen entstehen nicht allein durch feste Elemente, sondern durch das Zusammenspiel von Zug und Druck in einem kontinuierlichen Gefüge.
Der Körper erscheint dann nicht mehr als starres Gerüst, sondern als ein dynamisches System, das sich fortwährend ausbalanciert.
In einer spielerischen Gegenüberstellung habe ich versucht, diese beiden Welten zusammenzubringen: die Bewegungen des Kung-Fu und die Formen der embryonalen Entwicklung. Was zunächst wie ein Experiment wirkte, erwies sich als erstaunlich stimmig. Vielleicht, weil beide aus derselben Quelle schöpfen. Aus dem Zusammenspiel von innerer Anlage und äußerem Raum.
Aus Bewegung, die Form wird. Und Form, die Bewegung ermöglicht.
Bild Oben:
Besuch Blechschmidt Ausstellung 2005
Beitrag " Autorenlesung" auf Schloß Krottorf Fingerhutakademie - 04/2026 -
Anfangen
Kein Anfang allein – nur ein leiser Kreis,
ein Ende, das sich in den Anfang verbeißt.
Ein Funke im Dunkel, ein atmender Raum,
ein Werden im Werden, ein tastender Traum.
Gefaltet im Kleinsten ein uraltes Wissen,
von Druck schon berührt und von Zug schon gerissen.
Ein Flüstern im Kern, noch ohne Gestalt,
doch drängend nach Form, doch wachsend schon bald.
Ein Raum, der sich öffnet und hält, was entsteht,
ein Feld, das durch Antwort in Bewegung gerät.
Hier wächst keine Form aus Denken allein,
hier schreibt sich das Leben ins Leben hinein.
Ein Streifen, der führt durch das formlose Land,
ein erstes Sich-Wenden, ein tastender Rand.
Nach außen das Fühlen, das suchende Licht,
im Dazwischen die Kraft, die verbindet und bricht,
nach innen das Tragen, das nährende Sein –
drei Stimmen im Werden, doch niemals getrennt, nie allein.
Doch dies ist nur eine der möglichen Welten,
gehalten von Kräften, die hier für uns gelten.
Von Schwere und Wärme, von Nähe und Zeit,
ein irdisches Gleichmaß von Werden und Kleid.
Und anderswo draußen, in fernem Revier,
auf Sternen, die wachsen in anderem Hier,
da würde derselbe, uralte Impuls
sich anders entfalten im kosmischen Puls.
Vielleicht ohne Schwere, vielleicht ohne Rand,
kein Oben, kein Unten im fühlenden Land.
Ein Leuchten statt Dichte, ein Schwingen statt Form,
ein Werden, das tanzt in veränderter Norm.
Und doch bleibt im Wandel, im Fernen wie hier,
ein Drängen, ein Fragen: „Was werde ich mir?“
Ein Streben, das wächst über Grenze und Zeit,
ein hungerndes Leben nach Wirklichkeit.
Ist es ein Fluch, dieses ewige Streben,
dies Sehnen, sich immer aufs Neue zu geben?
Oder ein Geschenk, das uns weiterführt –
weil Anfang sich immer im Ende berührt?
So endet kein Werden, so ruht keine Spur,
denn jedes Vergehen wird Anfang von nur
einem anderen Raum, einer anderen Sicht –
doch das Leben beginnt.
Und es endet nicht.
Variation zum Blechschmidt Thema mit Bildentwurf
Tensegrity bezeichnet ein Strukturprinzip, bei dem sich Stabilität nicht aus starren, durchgehenden Bauteilen ergibt, sondern aus dem Zusammenspiel von Zug und Druck.
Druckelemente berühren sich nicht direkt, sie „schweben“ in einem Netz aus Spannung.
Form entsteht dabei nicht durch Masse, sondern durch ein ausbalanciertes Kräftefeld.
Der Begriff wurde von Buckminster Fuller geprägt und steht für „tensional integrity“.
Beispiele:
Architektur (Fuller, Snelson)
Leichte, stabile Konstruktionen wie Kuppeln oder Skulpturen. Kräfte verteilen sich effizient über das gesamte System statt punktuell.
Biomechanik / Biotensegrity
Der menschliche Körper wird als Spannungsnetz verstanden: Knochen als Druckelemente, Muskeln, Sehnen und Faszien als Zugstrukturen. Haltung und Bewegung entstehen aus globaler Spannung, nicht nur aus einzelnen Muskeln.
Zellbiologie
Auch Zellen zeigen tensegrale Prinzipien: Das Zytoskelett organisiert Form, Stabilität und Reaktion auf Kräfte.
Ingenieurwesen / Design
Leichtbau, Robotik, adaptive Strukturen. Systeme reagieren elastisch und resilient auf Belastung.
Übertragen auf Psychologie (metaphorisch)
Erleben und Verhalten können als Spannungsfeld verstanden werden: Wahrnehmung, Affekt und Regulation stehen in dynamischer Balance, nicht in linearer Ursache-Wirkung.
Im Kern bleibt es immer dasselbe Bild: Stabilität entsteht aus Beziehung,
nicht aus Starrheit.
Bild oben: "tensegrity-move" - Eigenportrait-
Kunstpark Antwerpen - 2024 - Foto bearbeitet
Der Mensch als Spannungsfeld – ein Arbeitsversuch
Es beginnt nicht mit einer Theorie, sondern mit einem Eindruck: Der Mensch entzieht sich. Er lässt sich nicht mehr ohne Weiteres als Einheit fassen, nicht als Ich, nicht als Körper, und auch nicht als Maschine, zumindest nicht in einer Weise, die ihn erschöpfend beschreibt. Zu vieles geschieht gleichzeitig, zu vieles widerspricht sich, und gerade dort, wo man zugreifen will, löst sich das vermeintlich Greifbare bereits wieder auf.
Nimmt man sich jedoch einen Moment, in dem dieses Zugreifen ausbleibt, zeigt sich etwas anderes. Der Mensch erscheint weniger als ein Gegenstand denn als ein Spannungsfeld. Das ist keine willkürliche Metapher, sondern eher eine Erfahrung, die sich im Innehalten einstellt. Zwischen Wahrnehmen und Handeln, zwischen Begreifen und Geschehen lassen, zwischen Nähe und Rückzug entfaltet sich ein Gefüge, das sich nicht ordnen lässt, ohne zugleich etwas von ihm zu verlieren. Selbst der Versuch zu verstehen trägt bereits den Keim der Verfehlung in sich, weil er das, was er erfasst, zugleich verändert.
In diesem Gefüge gibt es keine letzte Instanz, die entscheidet, keine Hierarchie, die Ordnung garantiert. Was sich zeigt, ist ein Zusammenspiel verschiedener Momente, die einander bedingen und zugleich in Spannung halten. Wahrnehmung eröffnet, ohne sofort festzulegen; Funktion reduziert, um Handlungsfähigkeit zu sichern; Eingriff versucht zu begreifen und riskiert dabei, das Unverfügbare zu zerstören; Bedeutung entsteht erst dort, wo etwas nicht nur geschieht, sondern uns betrifft; Beziehung bildet sich als Resonanz, die nicht gemacht werden kann; und Transzendenz verweist auf ein Darüberhinaus, das sich jeder vollständigen Beschreibung entzieht.
Diese Momente stehen nicht nebeneinander wie Teile eines Bauplans, sondern wirken als Kräfte in einem Feld. Der Selbsterhalt drängt auf Stabilität und Beschleunigung, sobald Enge entsteht; der Erkenntnisdrang treibt über jedes Erreichte hinaus; Resonanz bindet, ohne zu fixieren; Wiederholung stabilisiert, indem sie verfestigt; und Wandlung setzt dort ein, wo das Bestehende seine Tragfähigkeit verliert. Was wir „Mensch“ nennen, ist weder eines dieser Momente noch ihre bloße Summe, sondern die jeweilige Konstellation, die sich aus ihrem Zusammenspiel ergibt.
Damit verliert die Vorstellung eines festen Zustands ihre Überzeugungskraft. An ihre Stelle tritt die Idee der Verschiebung. Der Mensch ist nicht, er verlagert sich. Und vielleicht beginnt genau an diesem Punkt das eigentliche Fragen. Denn eine ernst gemeinte Frage zielt nicht in erster Linie auf eine Antwort, sondern greift in das Gefüge selbst ein. Sie verändert die Spannungsverhältnisse, in denen sie gestellt wird.
Seins Findung erscheint unter dieser Perspektive nicht als Auffinden eines verborgenen Kerns, sondern als Bewegung innerhalb eines offenen Systems.
Der Mensch funktioniert, und zugleich ist er in der Lage zu bemerken, dass er funktioniert. In dieser doppelten Struktur liegt kein Widerspruch, sondern eine Möglichkeit: ein kleiner, aber entscheidender Spielraum, in dem sich etwas verschieben kann, ohne sich je endgültig festzulegen..................
Strandbeesten
An der niederländischen Küste entstehen faszinierende Strandbeesten, die sich jeder schnellen Einordnung entziehen.
Gebaut aus Rohren, aus Luft, Platikflaschen, aus einer Idee
– und doch wirken sie, als hätten sie sich selbst hervorgebracht.
Theo Jansen, ursprünglich Physiker aus , spricht nicht von Skulpturen, sondern von einer neuen Form des Lebens.
Seine Strandbeesten folgen einer inneren Logik, einem Gefüge aus Proportionen und wiederkehrenden Verhältnissen, jenen leisen, fast verborgenen Zahlen, die Bewegung ermöglichen, ohne sie festzuhalten.
Und vielleicht berührt genau das einen Punkt, der über das Sichtbare hinausgeht.
Denn Bewegung – so zeigt es sich mir, auch aus meiner eigenen Arbeit mit Menschen –entsteht nicht aus Festhalten, sondern aus einem fein austarierten Verhältnis von Bindung und Entbindung.
Was trägt, muss auch loslassen können, was sich verbindet, muss sich wieder lösen dürfen. In der Betrachtung von Entwicklung, von Beziehung, von Körper und Resonanz taucht dieses Prinzip immer wieder auf: Nicht das Starre hält, sondern das Bewegliche.
Nicht das Fixierte trägt, sondern das, was sich wandeln darf.
Die Strandbeesten wirken in diesem Sinn wie sichtbare Fragmente eines größeren Zusammenhangs, nicht als Erklärung, eher als leiser Hinweis.
Sie stehen im Wind, und nur deshalb können sie gehen.
Vielleicht liegt darin eine stille Parallele zu unserem eigenen Leben:
Dass Entwicklung nicht im Festhalten entsteht, sondern im Vertrauen in Bewegung, im Loslassen, im Wiederfinden, im erneuten Ausrichten.
Während diese eigenwilligen Wesen über den Strand wandern, unter einem Himmel,
der sich ständig verändert, verschiebt sich für einen Moment die Wahrnehmung, fast unmerklich und doch nachhaltig.
(Man kann Teo Jansens genialem Handwerk in Den Haag beiwohnen,
oder auch die Strandbeesten am eigenen Strandabschnitt mit klassischer Musik in Aktion bewundern. Ein unvergessliches Erlebnis!!!
(Vorbestellung unerlässlich)
PKE
"tensegrity Installation"
haptisch und als mouse pad
hier mit Bezügen zur Affektregulation
- 2016 -
Affektregulation – im Erleben, nicht im Konzept
Wenn ich einen Ausgangspunkt benennen müsste, dann würde ich bei Allan Schore beginnen. Nicht, weil damit alles erklärt wäre. Sondern weil sich bei ihm etwas Entscheidendes verschiebt: Affektregulation erscheint nicht mehr als eine Fähigkeit des Einzelnen, sondern als ein Geschehen, das in Beziehung entsteht.
Diese Perspektive ist für mich mehr als ein theoretischer Rahmen. Sie beschreibt etwas, das sich in der therapeutischen Arbeit immer wieder zeigt. Dass Regulation nicht „gemacht“ wird. Dass sie sich vielmehr einstellt – oder eben ausbleibt – im Kontakt zwischen Menschen. In der Art, wie wir uns begegnen, wie wir reagieren, wie wir auf feinste Veränderungen eingehen oder sie übersehen.
Was bei Schore als Entwicklung rechtshemisphärischer, impliziter Regulationsprozesse beschrieben wird, begegnet mir im Alltag oft sehr konkret: im Atem, der sich plötzlich verändert. In einer Spannung, die sich aufbaut oder nachlässt. In einem Blick, der gehalten werden kann oder ausweicht. Es sind keine großen Gesten. Eher Verschiebungen, die man leicht übersehen könnte – wenn man nicht darauf achtet.
Von dort aus ergibt sich für mich fast zwangsläufig eine andere Haltung. Weg von der Frage, wie Affekte kontrolliert oder gesteuert werden können. Hin zu der Frage, was ein Mensch braucht, damit sich Regulation überhaupt wieder zeigen kann.
Und genau hier beginnt der Anschluss an meine eigene Arbeit.
Ich erlebe Affektregulation selten als etwas, das fehlt. Eher als etwas, das gebunden ist. Eingeschränkt. Manchmal wie eingefroren. Und oft zeigt sich sehr schnell, dass der Zugang dazu nicht primär über das Denken führt, sondern über das Wahrnehmen.
Der Körper ist dabei kein Zusatz, sondern der eigentliche Ort des Geschehens. Das, was sich in Haltung, Tonus, Bewegung oder auch in deren Ausbleiben zeigt, ist oft präziser als jede Erklärung. In meinen „Sinneswahrnehmungen“ taucht genau das immer wieder auf: dass das Erleben zuerst da ist – und das Verstehen, wenn überhaupt, später folgt.
Embodiment wird damit zu etwas sehr Konkretem. Nicht als Konzept, sondern als Zugang. Als Möglichkeit, das, was sich innerlich organisiert, im Außen wahrzunehmen und damit überhaupt erst zugänglich zu machen.
In diesem Zusammenhang hat auch das, was Gopal Norbert Klein als „ehrliches Mitteilen“ beschreibt, für mich eine besondere Qualität. Nicht als Methode im engeren Sinne, sondern als eine Form von Kontakt. Das Aussprechen dessen, was gerade ist – schlicht, direkt, ohne Ausschmückung – kann selbst schon regulierend wirken. Nicht, weil es etwas verändert, sondern weil es etwas sichtbar macht.
Interessant ist, dass sich in dieser Haltung unterschiedliche therapeutische Ansätze wiederfinden, ohne dass man sie ausdrücklich benennen müsste. Tiefenpsychologische Spuren, die sich in Beziehungserfahrungen zeigen. Verhaltenstherapeutische Muster, die sich in Wiederholungen erkennen lassen. Und zugleich etwas, das sich diesen Kategorien entzieht: die unmittelbare Gegenwärtigkeit des Erlebens.
Für meine Arbeit bedeutet das, dass ich weniger eingreife, als vielmehr begleite. Weniger erkläre, als vielmehr mitvollziehe. Regulation entsteht dann nicht durch Technik, sondern durch Kontakt. Durch ein gemeinsames Wahrnehmen, das weder beschleunigt noch bewertet.
Vielleicht ist das die Verbindungslinie:
Dass das, was bei Schore neurobiologisch beschrieben wird, sich im therapeutischen Raum als Erfahrung wiederfinden lässt.
Und dass beides zusammen erst dann wirklich greifbar wird, wenn man bereit ist, es nicht nur zu verstehen, sondern zu erleben.
man ist triune
Bilder Oben: Animation meiner osteopathischen Lern- und Lehrinhalte